05.06.2021
Unsere Meinung: Wegzug alteingesessener Wirtschaftsbetriebe aus Schwabach

„Und wieder wird Schwabach ein Stück weit ärmer“! Das waren die einleitenden Worte von Stadtrat und Fraktionsvorsitzendem Bruno Humpenöder in der letzten Fraktionssitzung der Freien Wähler zur Vorbereitung auf die nahende Stadtratssitzung.

Mit großer Irritation, aber auch mit Unmut und Unverständnis haben die Freien Wähler Schwabachs den Artikel „Ein Stern für Kammerstein“ zur Kenntnis nehmen müssen. Wieder einmal verläßt ein alteingesessener Betrieb die Stadt und zieht gleich neben die Stadtgrenze nach Haag. Das traditionsreiche Autohaus Käppner, das über viele Jahrzehnte die Automarke Mercedes Benz in Schwabach vertreten hat, und erst vor wenigen Jahren vom Autohaus Rieger aus Altdorf übernommen wurde findet keinen neuen und größeren Alternativstandort im Stadtgebiet. „Man konnte uns keine für uns geeignete Fläche anbieten“ wird der Chef des Autohauses Markus Rieger zitiert. Gemeint hat er die Stadtverwaltung, und hier in erster Linie die Stadtspitze mit seinem Wirtschaftsreferenten!

„Das ist ein Schlag ins Kontor“, so Stadtrat Detlef Paul, der sich vor vielen Jahren schon für einen Verbleib der Firma Biedenbacher, Garten- und Landschaftsbau in Schwabach stark gemacht hatte. Auch damals wollte die Firma in Schwabach bleiben, man konnte ihr jedoch keine geeignete Fläche anbieten, ähnlich wie jetzt beim Autohaus. Die Gemeinde Kammerstein konnte dies jedoch in Haag, wo jetzt ein blitzsauberer Betrieb mit über 100 Mitarbeitern entstanden ist. Kein Wunder wenn sich jetzt Bürgermeister Wolfram Göll „hörbar erfreut“ zeigt, und das erste Autohaus in der Gemeinde gleich den Namen Mercedes trägt.

Die Fläche hier in Haag ist auch nicht sofort verfügbar. Erst muß ein Bebauungsplan aufgestellt werden und dann die Flächen erschlossen werden.

Im Gegensatz zu Schwabach: hier gibt es Flächen im Gewerbegebiet West, nahe der Autobahn und nur wenige hundert Meter von der geplanten Fläche für das Autohaus in Haag entfernt. Gleich neben dem Kreisverkehr im Gewerbegebiet West, zwischen B466 und der Kammersteiner Straße ist eine geeignete Fläche für z.B. ein Autohaus ausgewiesen. Ein Hinweisschild für Gewerbe befindet sich schon lange auf dieser Fläche. Ein Bebauungsplan sowie die Erschließung müßte noch erfolgen, also genau so wie dies auf der Fläche in Haag der Fall ist.
„Ich kann nicht verstehen, warum eine solch gravierende Entscheidung für unsere Stadt nicht im Wirtschaftsausschuß oder im Stadtrat vorgetragen und diskutiert wird.“ so Fraktionschef Bruno Humpenöder. Und weiter: „Wir politischen Vertreter*innen engagieren uns seit vielen Jahren für den Verbleib und die Neuansiedlung von mittelständischem Gewerbe und Handwerk“. „Da kann es doch nicht sein, daß man einen solchen Betrieb einfach ziehen läßt“, so Detlef Paul. Die Freien Wähler bedauern die Alleingänge der Verwaltung ohne den Stadtrat zu informieren und fordern einen Gesinnungs- und Strategiewechsel seitens der Stadtspitze. „Da muß sich sich etwas ändern, so kann das doch nicht weitergehen“, so Richard Garhammer.

Wie viele namhafte Automarken sind eigentlich noch in Schwabach vertreten, wenn Mercedes „adieu“ sagt?“ fragt sich berechtigterweise Stadtrat Dr. Markus Hoffmann.

Klar einig ist man sich in der Fraktion bei der Forderung, daß das Thema Gewerbean- und  -umsiedlung stärker in den Fokus gerückt werden muß. Die Gemeindevertreterin Regina Feuerstein aus Kammerstein lehrt es uns mit ihrem Satz: „In Sachen Gewerbeansiedlung ist es erforderlich sich stärker zu engagieren und nicht nur zu reagieren!“ So eine Aussage kommt von unserer kleinen Nachbargemeinde.

Schlußbemerkung der Fraktion: Mit dem Weggang von Mercedes Rieger gehen auch die Steuern weg! Schön für Kammerstein, schlecht für Schwabach, wohin doch viele Jugendliche aus unseren Nachbargemeinden in die Schule gehen.